Ein geistlicher Ort, der den Menschen viel bedeutet

25.08.2018

250 Jahre evangelische Kirche Kohlberg: Rolf Winkler † hat nachgeforscht und stieß auf Unterlagen, die auf ein viel älteres Datum hindeuten

Die Kohlberger feiern in diesem Jahr das 250-jährige Bestehen ihrer evangelischen Kirche. Mit der Geschichte des Gotteshauses beschäftigte sich vor seinem Tod auch der ehemalige Kohlberger Bürgermeister Rolf Winkler, der im März verstorben ist. In seinem Ruhestand hat er sich der Heimatgeschichte der Jusigemeinde gewidmet und dabei auch viele Beiträge in unserer Zeitung veröffentlicht. Rolf Winklers letzten heimatgeschichtlichen Beitrag über die Kirche hat uns seine Ehefrau Irmgard zur Verfügung gestellt.
Generationen von Kohlbergern wurden in der Kirche in der Ortsmitte in den zurückliegenden 250 Jahren getauft und getraut. Archiv-Foto: Holzwarth

Über der westlichen Kircheneingangstür steht in Sandstein gemeißelt die Jahreszahl 1768. Das lässt darauf schließen, dass die Kirche 250 Jahre alt ist. In Wirklichkeit ist die Kohlberger Kirche viel älter. Das beweist neben einer im Zweiten Weltkrieg verbrannten Urkunde von 1467, von der leider nur ein kurzer Auszug erhalten ist, ein vorhandener, inzwischen restaurierter romanischer Taufstein. Dieser Taufstein zählt übrigens zu den ältesten Steinmetzarbeiten im Kreis und zeichnet sich durch seine Größe und die halbkugelige, ausgehöhlte Form aus und ist ein Hinweis darauf, dass man Täuflinge früher im Sinne der Taufe ganz untertauchte und so buchstäblich „aus der Taufe hob“.

1464 wird zum ersten Mal eine Kapelle urkundlich erwähnt

Nach alten Unterlagen war die Kohlberger Kirche 1767 samt Turm offenbar sehr gebrechlich, auch zu klein und zu finster, weshalb eine Erweiterung und ein neuer Turm beschlossen wurde. Seit dieser Zeit hat die Kirche weitgehend das jetzige Aussehen und die Gestalt. Nach der bekannten Darstellung von Kieser von 1683 vermittelt die Kirche den Eindruck der vormaligen bescheidenen Dorfkirche. Natürlich sind die früheren Darstellungen weitgehend standardisierte Schemenbilder mit geringer Wirklichkeitstreue. Sie dienten einer bildhaften Ortsmarkierung.

Bereits im Jahr 1464 wird zum ersten Mal eine Kapelle urkundlich erwähnt. Diese Kapelle war Filiale von Neuffen. Im Heimatbuch des Altkreises Nürtingen wird unter Kohlberg berichtet: Neben dem Klosterhof Vorderkohlberg sind die Niederlassungen Mittel- und Hinterkohlberg entstanden. Auch wurde in Mittelkohlberg eine kleine Kirche erbaut, die dem Leutpriester zu Nyffen als Filialkirche unterworfen war. In dieser Kirche befand sich ein Altar, der geweiht war und unserer lieben Frau, der Himmelskönigin, samt Johannes dem Täufer auch Fridlin und anderen Patronen mehr gestiftet und dotiert war. Angeblich wurde die Kirche nur in seltenen Fällen vom Nyffener Leutpriester besucht, vielmehr waren die Kohlberger verpflichtet, an Sonntagen und anderen Feiertagen in die Pfarrkirche nach Nyffen zu gehen. Da aber die Straße unwegsam, die Entfernung namhaft, auch die Winterzeit reichlich ausgedehnt war, so unterblieb der Kirchenbesuch oft.

Daher haben sich die Kohlberger an ihre Hohe Gönnerin, die Fürstin Elisabeth, an den Leutpriester von Nyffen sowie an den von Großbettlingen mit der Bitte um Rat und Unterstützung gewandt, die Erhebung der Kohlberger Kapelle zu einer selbstständigen Pfarrkirche und die Einsetzung eines eigenen Leutpriesters herbeizuführen. Dieser Wunsch wurde im Jahr 1520 erfüllt. Die Kohlberger Kirche wurde von der Mutterkirche von Neuffen getrennt und zur selbstständigen Pfarrei erhoben.

Nach der Schlacht bei Lauffen am Neckar im Jahr 1534 wurde in Württemberg durch Herzog Ulrich die Reformation eingeführt.

Nach dem Heimatbuch des Altkreises Nürtingen wird die Baugeschichte der Kirche wie folgt beschrieben: „Die Pfarrkirche liegt mitten im Ort. Da sie auf ihrem, einen einfachen Rechtecksaal deckenden Satteldach nur einen verschindelten Fachwerkglockenturm trägt, tritt sie im Ortsbild und in der Fernwirkung etwas zurück. Ihrer Erbauungszeit im Jahre 1768 entsprechend, wirkt sie überhaupt mehr wie ein großes bürgerliches Versammlungshaus als wie eine Kirche, wozu die rechteckigen Fensteröffnungen und das Fehlen eines Altarraumes beitragen.“

Das schmucklos nüchterne Erscheinungsbild wird wohl durch die große Armut der damaligen Gemeinde entstanden sein. Man konnte sich wohl keine schönere Kirche leisten. Wichtiger war jedoch allezeit, was in der Kirche an lebendigem Glaubensgeschehen erlebt werden kann. Als Baumeister für die Erneuerung der Kirche im Jahr 1768 kann Wilhelm Friedrich Goez belegt werden. Mauerer war Thomas Klenkh und Zimmermann Martin Wörz aus Neckartenzlingen.

1904 bekam die Kirche eine neue Spitze und einen vergoldeten Hahn

Seit der Erneuerung 1768 hat die Kohlberger Kirche ihre jetzige äußere Gestalt. 1900 bekam sie eine neue Außentreppe und einen neuen Außenanstrich, 1904 eine neue Kirchturmspitze mit einem vergoldeten Hahn und 1921 wurde zusammen mit der Anbringung des Gefallenendenkmals der Außenputz an der Süd- und Westseite überarbeitet. 1954 wurde das Kircheninnere erneuert und in den 80er-Jahren eine weitere Innen- und Außenrenovierung vorgenommen.

Durch das 66 Blätter umfassende Lagerbuch über die Ernewrung (Erneuerung) des Gottshaus Zwyfalltach (Zwiefalten) habender Gefäll und Einkommen zu Kohlberg, das sich lange im Rathaus Neuhausen/Erms befand, erfahren wir, wie die Finanzierung der Kirchenerneuerung und -erweiterung erfolgte. Die Kohlberger Bevölkerung hält es schon in der Vergangenheit, jetzt in der Gegenwart und hoffentlich auch in der Zukunft mit den Worten eines Beters in alter Zeit: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

Möge durch die Jubiläumsfeier der Glaube gestärkt werden und viele in dieser Kirche ein- und ausgehen.